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Praxis Dr. Jens Quaas Stralsund Frauenarzt
 
 
 
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Die HPV-Infektion

Die Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV) ist nicht selten und stellt für sich allein keine Gefahrensituation dar. In einer amerikanischen Studie bei jungen Collegeschülerinnen hat man zu fast 30 Prozent derartige Viren nachweisen können. Eine weitere Analyse aus den USA läst eine wenigstens einmalige bzw. gegenwärtige HPV-Infektion bei 75% Prozent der Frauen & Männer vom 15. bis 49. Lebensjahr vermuten.

In Deutschland schätzt man:

(Link mit Informationen zur HPV-Impfung)

  • Die jährliche HPV-Infektionsrate bei Frauen auf ca. 6 Millionen (ca. 14% aller Frauen).
  • 400 000 Frauen (< 1% aller Frauen, < 7% der HPV-infizierten Frauen) erkranken jährlich an einer höhergradigen Krebsvorstufe (Dysplasie 3. Grades oder CIN III) am Gebärmutterhals (Zielgruppe der Krebsfrüherkennung).
  • 2010 erkrankten 4 660 Frauen (< 0,02% aller Frauen, < 0,14% der HPV-infizierten Frauen)  an einem Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Somit ist die sehr häufige Infektion mit HPV kein Hinweis auf das Vorliegen einer Vorstufe oder des Gebärmutterhalskrebses an sich. Eine Routinenachweis von HPV im Rahmen der Krebsfrüherkennung ist daher zur Zeit nicht sehr effektiv und verunsichert eher die Betroffene sowie möglicherweise auch ihren behandelnden Arzt.

Es ist jedoch nahezu sicher, dass sich ein Gebärmutterhalskrebs ohne Humane Papillomaviren nicht entwickeln kann. Im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren kann unter Umständen eine Krebsentwicklung hervorgerufen werden. Das betrifft insbesondere eine bestimmte Untergruppe der HPV - die unglücklicherweise in der High-Risk- (Hochrisiko-) Virengruppe zusammengefasst wurden (auch diese führen nicht zwangsläufig zu einer Krebsentstehung, sie werden lediglich benötigt, damit ein Gebärmutterhalskrebs überhaupt entstehen kann).

Der Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich nahezu ausnahmslos über sogenannte Vorstufen (Dysplasien). Die meisten dieser Vorstufen bilden sich von ganz allein zurück. Das Ziel der Krebsfrüherkennung am Gebärmutterhals ist es, jene Vorstufen zu entdecken, die sich nicht zurückbilden und im Verlauf als höhergradig eingestuft werden. Diese sind behandlungsbedürftig. Die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses kann dann durch entsprechende Behandlung verhindert werden.

Die Frage nach einer HPV-Infektion ist wichtig zur Beurteilung bestimmter Befunde der Krebsfrüherkennung. Das betrifft insbesondere Befunde, die durch Routineuntersuchungsmethoden (Zytologie, Kolposkopie - Betrachtung des äußeren Muttermundes in Lupenvergrößerung ) nicht sicher eingeschätzt werden können (z.B. die Zell-Abstrichgruppe PAP III - d.h. die Abschätzung, ob ein nichtbehandlungsbedürftiger Befund oder eine sogenannte höhere Vorstufe vorliegen könnte ist nicht möglich). Der in dieser unklaren Situation erbrachte Nachweis von Typen der High-Risk-Gruppe sollte eine genauere Nachbeurteilung aller vorhandenen Befunde, zur Kontrolluntersuchung und bei weiter bestehender Unklarheit eher zu weiterer Diagnostik (z.B. Probenentnahme) führen. Der negative Nachweis (das Nichtvorhandensein) von HPV-High-Risk-Viren erlaubt durchaus ein mehr zurückhaltendes Vorgehen, kann aber Untätigkeit nicht begründen.

In allen anderen Situationen ist zur Abschätzung einer behandlungsbedürftigen Vorstufe die kolposkopische Untersuchung (Lupenbetrachtung) in Zusammenhang mit dem Zellabstrich ausreichend.

Alle fraglichen oder auffälligen Befunde treffen sich im Idealfall in der Kolposkopie- (oder Dysplasie-) Sprechstunde zur erweiterten Diagnostik und Befundinterpretation. Die HPV-Untersuchung ist nur ein Teil dieser Sprechstunde und in ausgewählten Fällen nötig. Grundlage - aber nicht einziges Mittel - ist die kolposkopische Untersuchung.

Eine ggf. entdeckte HPV-Infektion ist also kein seltenes Ereignis und gibt prinzipiell keinen Anlass zur Besorgnis. Bei zusätzlich bestehenden auffälligen Befunden (Abstrich, Kolposkopie) ist eine ausführliche Untersuchung angezeigt. Die Angst vor einer Krebserkrankung ist verständlich, aber einerseits selten und andererseits gerade bei Frauen, die an der Krebsfrüherkennung nicht teilnehmen häufig.

Die Krebsfrüherkennung stellt die Frage nach behandlungsbedürftigen Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses (ob mit oder ohne HPV-Nachweis). Sollten sich diese bestätigen, so können diese gut und meist auch ohne größere Unannehmlichkeiten beseitigt werden. Einem Gebärmutterhalskrebs ist vorgebeugt und somit das Ziel der Krebsfrüherkennung erreicht.

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